Long-QT Syndrome
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In Memoriam
Long-QT Syndrome Stories
Das lange QT-Syndrom
verursacht eine Störung des elektrischen Systems des Herzens. Die
mechanische Funktion des Herzens ist aber völlig normal, beim langen
QT-Syndrom handelt sich also um keinen Herzfehler. Diese Störungen werden
durch Veränderungen in den Herzzellen verursacht. Die Folge bei betroffenen
Personen kann ein sehr schneller und unkontrollierter Herzrhythmus sein (in
der Fachsprache „Torsade de Pointes“ TdP genannt), der zu Bewusstlosigkeit
(Synkope) und sogar zum plötzlichen Herztod führen kann. Der Grund: Wegen
der Rhythmusstörungen kann das Herz nicht mehr genug Blut ins Hirn pumpen.
2. WARUM
HEISST DIE ERKRANKUNG LANGES QT-SYNDROM?
Der Name bezieht sich auf das
so genannte QT-Intervall auf dem Elektrokardiogramm (EKG). Ihr
Herzspezialist oder Arzt wird aber vielleicht von einem „long QT syndrome“
(der englische Begriff), Romano-Ward Syndrom (benannt nach den Entdeckern
dieser Erkrankung, den Kinderärzten O. Connor Ward und C. Romano) oder
Jervell, Lange-Nielsen Syndrom (A. Jervell, F. Lange-Nielsen)
sprechen (siehe auch Punkt 5).
3. WAS IST
DAS QT-INTERVALL?
Das QT-Intervall auf dem EKG
beschreibt die Zeitspanne, in welcher der elektrische Impuls für den
Herzschlag gegeben und der anschliessende „Aufladevorgang“ folgt. Im
Vergleich zu „normalen“ Leuten dauert dieser Vorgang bei Patienten mit
langen QT Syndrom zu lange. Für den Herzspezialisten ist ein QT-Intervall
von 440 Millisekunden normal. Was darüber liegt, gilt als verlängertes
QT-Intervall.
3.1. WAS
IST DAS FREQUENZKORRIGIERTE QT-INTERVALL (QTc)?
QTc steht für „QT corrected“,
also korrigiertes QT. Weil das QT-Intervall bei steigender Herzfrequenz
kleiner wird, ist eine dementsprechende Anpassung oder eben Korrektur in
Bezug auf die Herzfrequenz nötig, damit kein gefälschtes Bild entsteht. Im
deutschen Sprachgebrauch ist dann von einem „frequenzkorrigierten
QT-Intervall“ die Rede.
4. WAS IST
BORDERLINE QT?
„Borderline“ kommt aus dem
Englischen und heisst Grenzlinie. Borderline QT zeigt zwar eine Verlängerung
des QT-Intervalls, aber nicht deutlich genug, um eine schlüssige Diagnose zu
stellen. Bei Männern gilt eine Verlängerung des QT-Intervalls ab 470
Millisekunden, bei Frauen ab 480 Millisekunden als klarer Hinweis für ein
langes QT-Syndrom.
5. WAS
WEISS DIE MEDIZIN ÜBER DAS LANGE QT-SYNDROM?
Die Erkrankung ist entweder
vererbt oder erworben:
Die vererbte Form
ist erstmals 1957 ausführlich beschreiben worden. Es gibt zwei Varianten des
langen QT-Syndroms, die autosomal-dominante Romano-Ward-Form und die
autosomal-rezessive Jervell, Lange-Nielsen-Form. Das lange QT-Syndrom wird
durch Veränderungen (Mutationen) in sechs bereits identifizierten Genen
verursacht, höchst wahrscheinlich sind es sogar noch mehr.
Das Jervell, Lange-Nielsen
Syndrom wird autosomal-rezessiv vererbt und tritt mit schwerer Taubheit auf.
Autosomal-rezessiv bedeutet, dass beide Elternteile die genetische
Veränderung tragen müssen, damit ihre Kinder die Erkrankung haben.
Das Romano-Ward Syndrom ist
die häufigste Form des langen QT-Syndroms. Es wird autosomal-dominant
vererbt und tritt ohne Taubheit auf. Autosomal-dominant bedeutet, dass nur
ein Elternteil die genetische Veränderung haben muss, um sie an seine Kinder
zu vererben. Jedes Kind hat jedoch eine 50%-Chance, nicht am langen
QT-Syndrom zu erkranken.
|
Genotyp |
Gen |
Chromosom |
Anmerkungen |
|
LQT1 |
KCNQ1 (KvLQT1) |
11 |
Auslöser: Stress |
|
LQT2 |
KCNH2 (hERG) |
7 |
Auslöser: Lärm |
|
LQT3 |
SCN5A |
3 |
Auslöser:
Schlaf. Beta Blocker scheinen die am wenigsten wirksame Therapie zu
sein |
|
LQT4 |
ANK2 |
4 |
LQT4 wird mit
der Produktion eines beschädigten Proteins mit Namen Ankyrin-B in
Verbindung gebracht. |
|
LQT5 |
KCNE1 |
21 |
Lange-Nielsen-Variante mit angeborener Taubheit. |
|
LQT6 |
KCNE2 |
21 |
Auslöser:
Gewisse Medikamente, körperliche Anstrengung |
|
LQT7 |
KCNJ2 |
17 |
Wird in
Verbindung gebracht mit dem Andersen-Syndrom |
| LQT8 | CACNA1C | 12 | Wird in Verbindung gebracht mit dem Timothy-Syndrom |
| LQT9 | CAV3 | 3 | Mutationen von CAV3 führen auch zu Muskelerkrankungen |
| LQT10 | SCN4B | 11 | Bisher ist nur eine Familie mit dieser Mutation bekannt. |
Die erworbene Form
des langen QT-Syndroms wird durch Medikamente verursacht, die das
QT-Intervall verlängern. Für Patienten mit vererbtem langem QT-Syndrom sind
diese Medikamente kontraindiziert, das heisst unter keinen Umständen
einzunehmen. Eine ständig aktualisierte Liste mit kontraindizierten
Medikamenten findet sich unter
http://www.qtdrugs.org
5.1. IST DAS LANGE QT-SYNDROM
IMMER AUF DEM EKG SICHTBAR?
Schätzungen gehen davon aus, dass zehn bis
zwölf Prozent aller Patienten mit einem langen QT-Syndrom keine Verlängerung
des QT-Intervalls auf dem EKG zeigen. Das will aber nicht heissen, dass
diese Personen nicht an einem langen QT-Syndrom leiden. Bei einem Verdacht
sind vertiefte Untersuchungen angesagt.
6. WIE
HÄUFIG IST DAS LANGE QT-SYNDROM?
Es wird von einer Häufigkeit
von 1:5000 bis 7000 ausgegangen. Das heisst, auf 5000 bis 7000 Neugeborene
kommt ein Baby mit langem QT-Syndrom.
7. WAS SIND
DIE SYMPTOME?
Die häufigsten Symptome sind
Bewusstlosigkeit und der plötzliche Herztod. Ausgelöst werden sie meistens
durch physische Aktivitäten (sehr häufig beim Schwimmen), Emotionen (Angst,
Wut), Ruhe (Schlaf) oder Schrecken (Wecker, klingelndes Telefon). Die
Symptome treten in den meisten Fällen in den frühen Teenager-Jahren und in
der Pubertät auf. Sie werden deshalb oft mit Ohnmacht oder epileptischen
Anfällen verwechselt.
7.1. WER
RISKIERT SYMPTOME?
Ein Forscherteam aus Pavia (Italien) hat kürzlich für Patienten mit einem langen QT-Syndrom folgende Risikoverteilung in Bezug auf Genotyp, frequenzkorrigiertem QT-Intervall (QTc) und Geschlecht vorgeschlagen:
|
Risiko
für einen Herzanfall* |
QTc |
Genotyp |
Geschlecht |
|
hoch (über 50
Prozent) |
über 500
Millisekunden |
LQT1 |
männlich/weiblich |
|
hoch |
über 500ms |
LQT2 |
m/w |
|
hoch |
über 500ms |
LQT3 |
m |
|
mittel (30 bis
49 Prozent) |
über 500ms |
LQT3 |
w |
|
mittel |
unter 500ms |
LQT2 |
w |
|
mittel |
unter 500ms |
LQT3 |
w |
|
mittel |
unter 500ms |
LQT3 |
m |
|
gering (bis zu
30 Prozent) |
unter 500ms |
LQT2 |
m |
|
gering |
unter 500ms |
LQT1 |
m/w |
|
* Synkope,
Herzstillstand oder plötzlicher Herztod |
|||
8. WIE WIRD
DAS LANGE QT-SYNDROM DIAGNOSTIZIERT?
Die Diagnose eines QT-Syndroms gilt als
wahrscheinlich, wenn eines oder mehrere der folgenden Merkmale vorhanden
sind:
Übermässige Verlängerung des
frequenzkorrigierten QT-Intervalls (QTc) im EKG
Vorliegen eines langen QT-Syndroms in der
Familie
Beschwerden in Form von Bewusstlosigkeit,
Krämpfen oder Herzstillstand, besonders wenn sie im Zusammenhang mit
körperlicher oder seelischer Anstrengung aufgetreten sind
gehäuftes Vorkommen von derartigen Symptomen oder frühen Todesfällen in der Familie.
Weitere Hinweise sind ein besonders
langsamer Herzschlag, angeborene Schwerhörigkeit bzw. Taubheit oder das
Vorkommen angeborener Gehörstörungen bei anderen Familienmitgliedern.
Aus einer Vielzahl von Gründen kann die
Diagnose unsicher bleiben. In solchen Fällen kann eine molekulargenetische
Diagnostik weiterhelfen. Molekulargenetische Diagnostik bedeutet, dass im
Rahmen einer allerdings aufwendigen Blutuntersuchung nachgeschaut wird, ob
und wo die Erkrankung in den Erbanlagen des Patienten vorliegt. In etwa
60-70 Prozent der Fälle gelingt mit dieser Methode der Nachweis der
Erkrankung.
9. WIE WIRD EIN LANGES
QT-SYNDROM BEHANDELT?
Ziel der Behandlung ist es, Synkopen und
plötzliche Todesfälle zu verhindern. Therapie der ersten Wahl ist heute die
Behandlung mit Beta Blockern in möglichst hoher Dosierung. Sie erweist sich
bei den meisten Patienten mit langem QT-Syndrom als erfolgreich.
Manchmal, wenn eine Person mit langem
QT-Syndrom einen besonders langsamen Herzschlag hat, kann die Therapie mit
einem Beta-Blocker zu einer übermässigen weiteren Abnahme der Herzfrequenz
führen. Da aber eine langsame Herzfrequenz die Neigung zum Auftreten von
Rhythmusstörungen beim langen QT-Syndrom oft erhöht, kann die Implantation
eines Herzschrittmachers notwendig werden.
Trotz dieser Massnahmen treten bei einer
sehr geringen Anzahl von Patienten weiterhin lebensgefährliche
Herzrhythmusstörungen auf. Ihnen kann mit einer relativ neuen
Behandlungsmethode geholfen werden: Sie bekommen ein Gerät implantiert,
welches im Falle der Rhythmusstörung einen elektrischen Impuls an das Herz
abgibt, wodurch das Herzrasen beendet wird. Dieses Gerät nennt sich
"Implantierbarer Cardioverter/Defibrillator", oder auch kurz ICD.
Eine weitere, ausschliesslich in Europa zum
Einsatz gekommene Methode, ist ein chirurgischer Eingriff. Dabei werden die
zum Herzen ziehenden sympathischen Nervenfasern einseitig durchtrennt. Diese
Methode sollte aufgrund bedeutender Nebenwirkungen jedoch nur in
Einzelfällen zum Einsatz kommen.
10. WIRD DAS LANGE
QT-SYNDROM MIT ANDEREN ERKRANKUNGEN IN ZUSAMMENHANG GEBRACHT?
Neue Studien deuten darauf hin, dass ein
verlängertes QT-Intervall ein erheblicher Risikofaktor für den plötzlichen
Kindstod sein könnte. Diese Vermutung konnte allerdings noch nicht erhärtet
werden.
Mutationen im KCNJ2-Gen auf Chromosom
17 versursachen eine Erkrankung, die Andersen-Syndrom heisst. Sie ist
charakterisiert durch Lähmungserscheinungen, Wachstumsstörungen des Skeletts
und in rund 70% der Fälle durch eine Verlängerung des QT-Intervalls. Wegen
dieses letzten Merkmals ist das Andersen-Syndrom als eine Unterform des
langen QT-Syndroms eingestuft worden.
11.
HAT DAS LANGE QT-SYNDROM EINFLUSS AUF EINE SCHWANGERSCHAFT?
Die Schwangerschaft und die Geburt selber
werden nicht mit Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang gebracht. Allerdings
können der emotionale und physische Stress in der neunmonatigen Zeit (postpartum)
nach der Schwangerschaft bei Frauen mit langem QT-Syndrom ein Auslöser für
Synkopen sein.
12. GIBT ES
GESCHLECHTERUNTERSCHIEDE BEIM LANGEN
QT-SYNDROM?
Geschlechterspezifische Studien über die vererbte Form des langen QT-Syndroms weisen auf Unterschiede zwischen Frauen und Männern hin. So scheint es, als treten Herzrhythmusstörungen oder der plötzliche Herztod bei Männern eher im Kindesalter und während der Pubertät auf. Frauen dagegen haben ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme, wenn sie bereits erwachsen sind.
13. GIBT ES
EINSCHRÄNKUNGEN BEIM SPORT?
Spitzensport und Leistungssport sollten
vermieden werden. Es gibt noch keine detaillierten Studien darüber, wie sich
Sport auf gut therapierte Patienten mit einem langen QT-Syndrom auswirkt.
Einigkeit besteht darüber, dass körperliche Anstrengung für untherapierte
Personen mit einem langen QT-Syndrom des Typs LQT1 und in einem geringeren
Masse des Typs LQT2 gefährlich sein kann.
13.1. KÖNNEN PATIENTEN MIT EINEM LANGEN
QT-SYNDROM MIT DEM FLUGZEUG REISEN?
Reisen heisst in den meisten Fällen Stress, was gewisse Personen mit einem langen QT-Syndrom vermeiden sollten. Manche Linienflugzeuge haben Defibrillatoren an Bord. Gut therapierte Patienten sollten ein geringes Risiko haben, wenn sie mit dem Flugzeug reisen. Natürlich gibt es nie eine hundertprozentige Sicherheit. Aus jeden Fall sollten Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt besprechen. Sollten Sie von Ihm die Erlaubnis erhalten, kann es ratsam sein, sich über das Gesundheitswesen im Ferienland zu erkundigen und ein Zeugnis auf sich zu tragen, das Krankheit und Therapie beschreibt. Ihr Arzt stellt Ihnen sicher ein solches Zeugnis aus.
Bitte beachten Sie: Diese Informationen stützen sich auf die aktuellsten medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sie ersetzen auf keinen Fall das Gespräch mit Ihrem Vertrauensarzt oder einem Spezialisten und sind für eine Selbstdiagnose oder Selbsttherapie ungeeignet.
Letzte Aktualisierung: Januar 2007